Die Pfahlbaufrage: Ein Beitrag zur Wissenschaftsgeschichte und zur Rekonstruktion von Feuchtbodensiedlungen
Series: Open Series in Prehistoric Archaeology
Die Pfahlbaufrage Cover Die Pfahlbaufrage Cover
Format: 
Pages: 180
ISBN: 9789464281217
Pub Date: April 2026
Imprint: Sidestone Press
Illustrations: 36fc / 21bw
Introductory Offer: £90.00   RRP: £95.00
Not yet published
Pages: 180
ISBN: 9789464281200
Pub Date: April 2026
Imprint: Sidestone Press
Illustrations: 36fc / 21bw
Introductory Offer: £35.00   RRP: £40.00
Not yet published
Description:
Vor über 170 Jahren kam im Zusammenhang mit Auffüllarbeiten in Meilen am Zürichsee ein ganzes Pfahlfeld zum Vorschein. Ferdinand Keller interpretierte dieses als Rest einer vorrömischen Pfahlbausiedlung und setzte damit die urgeschichtliche Pfahlbauforschung in Gang. Heute gelten die prähistorischen Pfahlbauten rund um die Alpen als die wichtigste Quelle zum Verständnis des Neolithikums und der Bronzezeit in dieser Region und sind deshalb seit 2011 Teil des UNESCO-Welterbes. Allerdings ist ihre Erforschung nicht einvernehmlich verlaufen. Lebten die Menschen damals am oder über dem Wasser? Errichteten sie ihre Gebäude im Wasser, auf dem Land oder auf wechselfeuchtem Untergrund? Diese sogenannte «Pfahlbaufrage» wurde so kontrovers diskutiert, dass sie phasenweise zum Pfahlbaustreit eskalierte. Wiederholt wurde er zwischen Archäologen und Naturwissenschaftlern ausgetragen, war phasenweise Stellvertreterkrieg persönlicher Rivalen und geriet in den 1930er- und 1940er-Jahren zwischen die ideologischen Fronten. Dabei spielte die mangelnde Emanzipation von dominanten Forscherpersönlichkeiten keine unbedeutende Rolle und bis in die jüngste Zeit werden Interpretationen immer wieder an vorgefasste Meinungen angepasst.

Das vorliegende Werk zeichnet die über 170-jährige Forschungsgeschichte und die Entwicklung der Debatte nach. Dabei zeigt sich, dass einige auch heute noch etablierte Vorstellungen dringend zu hinterfragen sind, so etwa das Postulat ebenerdiger Ufersiedlungen bei guter organischer Erhaltung oder ein grosser Einfluss des Klimas auf Seepegelschwankungen.

Im Anschluss daran bietet das Werk einen Überblick über wichtige Indikatoren zur Interpretation von Feuchtbodensiedlungen, diskutiert diese im Detail und eignet sich so als Einstieg in die Problematik der Pfahlbaufrage. Schliesslich folgen Empfehlungen für künftige Grabungen und Auswertungen. Als Interpretationsgrundlage werden fünf Szenarien vorgeschlagen, die eine ebenerdige oder abgehobene Bauweise auf weitgehend trockenem (Szenario A–B) oder ausnahmsweise, saisonal oder ganzjährig überflutetem Boden (Szenarien C–E) kombinieren.

Um Antworten auf die komplexe Pfahlbaufrage zu finden, bedarf es einer differenzierten Betrachtung, die die spezifischen Gegebenheiten des jeweiligen Ortes berücksichtigt. Dabei ist die Zusammenarbeit von Archäologie und Naturwissenschaften unabdingbar. Eindimensionale Erklärungen und einfache Modelle werden der Realität der prähistorischen Gesellschaften nicht annähernd gerecht.

English abstract

Over 170 years ago, an entire pile field came to light in connection with backfilling work in Meilen on Lake Zurich. Ferdinand Keller interpreted this as the remains of a pre-Roman pile-dwelling settlement and thus set prehistoric pile-dwelling research in motion. Today, the prehistoric pile dwellings around the Alps are considered the most important source for understanding the Neolithic and Bronze Age in this region and have therefore been a UNESCO World Heritage Site since 2011. However, their exploration has not been unanimous. Did people live on or above the water? Did they erect their buildings in the water, on land or on alternating wet ground? This so-called ‘pile-dwelling question’ (Pfahlbaufrage) was so controversial that it escalated into a pile-dwelling dispute (Pfahlbaustreit). It was repeatedly fought out between archaeologists and natural scientists, was at times a proxy war between personal rivals and in the 1930s and 1940s became caught between ideological fronts. The lack of emancipation from dominant research personalities played no insignificant role in this, and interpretations have been repeatedly adapted to preconceived opinions right up to the present day.

This book traces the 170-year history of research and the development of the debate. It shows that some ideas that are still established today urgently need to be questioned, such as the postulate of ground-level lakeshore settlements with good organic preservation or a major influence of the climate on lake level fluctuations.

The work then provides an overview of important indicators for the interpretation of wetland settlements, discusses these in detail and is thus suitable as an introduction to the problem of pile dwelling construction. Finally, recommendations for future excavations and analyses are given. Five scenarios are proposed as a basis for interpretation, combining ground-level or raised construction on largely dry ground (scenarios A–B) or exceptionally, seasonally or year-round flooded ground (scenarios C–E).

Finding answers to the complex question of pile dwelling construction requires a differentiated approach that takes into account the specific circumstances of each location. The co-operation of archaeology and natural sciences is indispensable. One-dimensional explanations and simple models do not come close to doing justice to the reality of prehistoric societies.
Vor über 170 Jahren kam im Zusammenhang mit Auffüllarbeiten in Meilen am Zürichsee ein ganzes Pfahlfeld zum Vorschein. Ferdinand Keller interpretierte dieses als Rest einer vorrömischen Pfahlbausiedlung und setzte damit die urgeschichtliche Pfahlbauforschung in Gang. Heute gelten die prähistorischen Pfahlbauten rund um die Alpen als die wichtigste Quelle zum Verständnis des Neolithikums und der Bronzezeit in dieser Region und sind deshalb seit 2011 Teil des UNESCO-Welterbes. Allerdings ist ihre Erforschung nicht einvernehmlich verlaufen. Lebten die Menschen damals am oder über dem Wasser? Errichteten sie ihre Gebäude im Wasser, auf dem Land oder auf wechselfeuchtem Untergrund? Diese sogenannte «Pfahlbaufrage» wurde so kontrovers diskutiert, dass sie phasenweise zum Pfahlbaustreit eskalierte. Wiederholt wurde er zwischen Archäologen und Naturwissenschaftlern ausgetragen, war phasenweise Stellvertreterkrieg persönlicher Rivalen und geriet in den 1930er- und 1940er-Jahren zwischen die ideologischen Fronten. Dabei spielte die mangelnde Emanzipation von dominanten Forscherpersönlichkeiten keine unbedeutende Rolle und bis in die jüngste Zeit werden Interpretationen immer wieder an vorgefasste Meinungen angepasst.

Das vorliegende Werk zeichnet die über 170-jährige Forschungsgeschichte und die Entwicklung der Debatte nach. Dabei zeigt sich, dass einige auch heute noch etablierte Vorstellungen dringend zu hinterfragen sind, so etwa das Postulat ebenerdiger Ufersiedlungen bei guter organischer Erhaltung oder ein grosser Einfluss des Klimas auf Seepegelschwankungen.

Im Anschluss daran bietet das Werk einen Überblick über wichtige Indikatoren zur Interpretation von Feuchtbodensiedlungen, diskutiert diese im Detail und eignet sich so als Einstieg in die Problematik der Pfahlbaufrage. Schliesslich folgen Empfehlungen für künftige Grabungen und Auswertungen. Als Interpretationsgrundlage werden fünf Szenarien vorgeschlagen, die eine ebenerdige oder abgehobene Bauweise auf weitgehend trockenem (Szenario A–B) oder ausnahmsweise, saisonal oder ganzjährig überflutetem Boden (Szenarien C–E) kombinieren.

Um Antworten auf die komplexe Pfahlbaufrage zu finden, bedarf es einer differenzierten Betrachtung, die die spezifischen Gegebenheiten des jeweiligen Ortes berücksichtigt. Dabei ist die Zusammenarbeit von Archäologie und Naturwissenschaften unabdingbar. Eindimensionale Erklärungen und einfache Modelle werden der Realität der prähistorischen Gesellschaften nicht annähernd gerecht.

English abstract

Over 170 years ago, an entire pile field came to light in connection with backfilling work in Meilen on Lake Zurich. Ferdinand Keller interpreted this as the remains of a pre-Roman pile-dwelling settlement and thus set prehistoric pile-dwelling research in motion. Today, the prehistoric pile dwellings around the Alps are considered the most important source for understanding the Neolithic and Bronze Age in this region and have therefore been a UNESCO World Heritage Site since 2011. However, their exploration has not been unanimous. Did people live on or above the water? Did they erect their buildings in the water, on land or on alternating wet ground? This so-called ‘pile-dwelling question’ (Pfahlbaufrage) was so controversial that it escalated into a pile-dwelling dispute (Pfahlbaustreit). It was repeatedly fought out between archaeologists and natural scientists, was at times a proxy war between personal rivals and in the 1930s and 1940s became caught between ideological fronts. The lack of emancipation from dominant research personalities played no insignificant role in this, and interpretations have been repeatedly adapted to preconceived opinions right up to the present day.

This book traces the 170-year history of research and the development of the debate. It shows that some ideas that are still established today urgently need to be questioned, such as the postulate of ground-level lakeshore settlements with good organic preservation or a major influence of the climate on lake level fluctuations.

The work then provides an overview of important indicators for the interpretation of wetland settlements, discusses these in detail and is thus suitable as an introduction to the problem of pile dwelling construction. Finally, recommendations for future excavations and analyses are given. Five scenarios are proposed as a basis for interpretation, combining ground-level or raised construction on largely dry ground (scenarios A–B) or exceptionally, seasonally or year-round flooded ground (scenarios C–E).

Finding answers to the complex question of pile dwelling construction requires a differentiated approach that takes into account the specific circumstances of each location. The co-operation of archaeology and natural sciences is indispensable. One-dimensional explanations and simple models do not come close to doing justice to the reality of prehistoric societies.